Das ist dreimal derselbe Kapuzenschal. Gleiches Stück, gleiche Kamera, nichts nachbearbeitet. Einmal draußen auf der Straße, einmal drinnen im Raum, einmal im Studio.

Draußen bei Tageslicht: hell und kühl, fast wie Bonbonrosa.

Drinnen: fliederfarben und deutlich stumpfer.

Im Studio: tiefer, in Richtung Beere.
Wolle nimmt Licht auf und gibt es gefärbt zurück. Was die Kamera aufnimmt, ist deshalb immer der Stoff zusammen mit dem Licht, das gerade auf ihn fällt. Ein Foto zeigt keine Farbe. Es zeigt eine Farbe unter einer Bedingung.
Genau deshalb entstehen die Produktbilder der Unikate so, wie sie entstehen.
Die Bilder sind konstruiert
Es gibt eine Aufnahme des Stücks in ganzer Länge und eine Detailaufnahme. Diese beiden Bilder sind das Modell, und auf sie wird die Farbe des jeweiligen Unikats übertragen. Im Shop sieht das so aus.

Dieselbe Kapuze, dieselbe Falte, dieselbe Drehung. Was sich von Stück zu Stück unterscheidet, ist die Farbe.
Auch die Struktur auf dem Modellbild stammt von einem Stück aus demselben Stoff und nicht von genau dem, das verschickt wird. Bei den einfarbigen Unikaten liegt sie nah beieinander, weil das Material dasselbe ist.
Früher sah man den Bildern das sofort an. Sie waren grob, und niemand hätte sie für eine Originalaufnahme gehalten. Inzwischen sieht man es nicht mehr. Deshalb steht es hier.
Für welche Stücke das gilt
Erklärt ist es hier am Kapuzenschal, weil davon die meisten im Shop stehen. Das Verfahren ist dasselbe bei allen einfarbigen Upcycling-Unikaten, also auch bei den schmalen Hosen, den Hoodies und den Beanies. Was neu dazukommt, entsteht auf demselben Weg.
Bei Unikaten mit Muster, mit sichtbarer Struktur oder aus mehreren Farben geht das nicht. Da lässt sich nichts übertragen, weil jedes Stück anders aussieht. Diese Stücke werden einzeln fotografiert. Das Bild zeigt dann genau das Stück, das verschickt wird.
Was gemessen wird
Jedes dieser Stücke entsteht aus einem anderen Pullover, und keine zwei Farben sind gleich. Die Farbe ist das, was jedes einzelne Stück ausmacht. Genau sie wird gemessen.
Bevor ein Stück in den Shop kommt, geht es in die Fotobox. Helles, gleichmäßiges Licht, und neben dem Stoff liegen eine weiße und eine graue Karte. Aufgenommen wird beides zusammen.

Die Referenzaufnahme. Der Schal in der Fotobox, daneben die beiden Karten, an denen sich das Licht ablesen lässt.
Aus dieser Aufnahme liest unser Programm die Farbe des Stoffs, das Weiß der Karte und das Grau der Karte. Von den Karten wissen wir, wie sie aussehen müssen. Ihr Ton verändert sich nie. Sieht das Weiß auf der Aufnahme leicht gelblich aus, dann war das Licht an diesem Tag gelblich, und das Programm rechnet diese Färbung wieder heraus. Übrig bleibt die Farbe des Stoffs, gelöst von dem Licht, unter dem sie aufgenommen wurde. Diese Farbe wird auf das Modellbild gelegt.
Das ist der Kern der Sache. Das Licht wird herausgerechnet, statt es zu bekämpfen.
Warum wir so arbeiten
Farbe von Hand zu beurteilen hängt an der Person, die gerade am Rechner sitzt. Menschen sehen denselben Ton verschieden, Bildschirme zeigen ihn verschieden. Wer den Weißabgleich nach Gefühl setzt, bekommt an jedem Arbeitsplatz ein anderes Ergebnis, und bei Unikaten fällt das sofort auf, weil die Stücke im Shop nebeneinanderliegen. Ein gemessener Wert bleibt überall derselbe, unabhängig davon, wer arbeitet und an welchem Monitor.
Dazu kommt der Aufwand. Ein einzelnes Unikat zu fotografieren heißt: drapieren, ausrichten, ausleuchten, den Weißabgleich von Hand setzen, nachbearbeiten. Bei einem Stück ist das eine schöne Arbeit. Bei allem, was aus dem Atelier kommt, würde es bedeuten, dass ein großer Anteil der Unikate den Shop nie erreicht.
Zwischen Stoff und Bildschirm
Was auf einem Produktbild ankommt, hat immer eine Übersetzung hinter sich. Vom Faden zur Kamera, von der Kamera zur Datei, von der Datei auf einen Bildschirm, den wir nicht kennen. Handy, Laptop, heller Modus, dunkler Modus, ältere und neuere Anzeigen geben dieselbe Datei verschieden wieder.
Diese Übersetzung so genau wie möglich zu machen, ist der Zweck des ganzen Verfahrens. Der Rest ist das, was ganz oben zu sehen war: das Licht, das gerade da ist.
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